Auf Antigua arbeiten
Eine zeitlang auf einer karibischen Insel leben - das ist
vielleicht für mehrere meiner Leserinnen und Leser eine spannende
Idee. Es gibt keinen Grund, es nicht einmal auszuprobieren. Man
wird zwar ziemlich sicher nicht reich dabei (das Verhältnis
Einkommen zu Lebenshaltungskosten ist in den USA und den meisten
europäischen Ländern besser), aber man kann immer noch seinen
Spaß haben und, je nachdem, wie lange man da ist und aus welchem
Land man kommt, ein paar Steuern sparen. Es gibt eine Vielzahl
von möglichen Betätigungsfeldern, beispielsweise:
- Tourismus
- Glücksspiel
- Handwerk
Natürlich ist es eine große Hilfe, wenn man jemand auf Antigua
kennt, der für einen die nötigen Kontakte herstellen, eine
Arbeitsgenehmigung beschaffen und ähnliche Dinge tun kann. Wenn
dieser Jemand zufällig ein paar Kabinettsmitglieder kennen
sollte, besteht die Chance, daß der Vorgang drastisch
beschleunigt werden kann.
Aber auch wenn das nicht der Fall sein sollte, kann man sich
ja einfach so mal nach Antigua aufmachen (Last-Minute-Flüge von
Deutschland aus gibt es ab 450 Euro) und sehen, was passiert -
findet man jemanden, der einen Job für einen hat, ist's gut, und
sonst war das ganze halt ein netter Urlaub.
Tourismus
Mir schien, als arbeiteten die meisten "Außenseiter", die in der
Tourismusbranche tätig waren, entweder bei einem der großen Hotels
oder Resorts - oft als Segel-, Tauch- oder Surflehrer - oder irgendwie
in Verbindung mit der Segler-Community im Süden der Insel,
beispielsweise auf Booten oder in einem der Zubehör- oder Reparaturläden.
Klar, diese Jobs gibt es nur zur Hochsaison: während der "Hurricane
Season" von Juni bis November sind kaum Segelschiffe da, und von der
überigen Tourismusindustrie heißt es zwar, daß sie inzwischen weniger
saisonalem Einfluß unterliegt als früher, aber dennoch zieht es
Engländer und Amerikaner, die den Hauptanteil der Touristen ausmachen,
natürlich weniger nach Antigua, während sie zu Hause selbst Sommer
haben.
Glücksspiel
Antigua hat drei oder vier "normale" Kasinos und über 50 Online-Kasinos
und Wettbüros. Viele davon werden etwas geheimnistuerisch von kleinen
Gruppen von Leuten betrieben, die aus dem Ausland eingeflogen werden;
der Grund dafür ist oft, daß die rechtliche Situation im jeweiligen
Heimatland zweifelhaft ist. Beispielsweise ist es nicht nur verboten,
in den USA ein Online-Casino zu eröffnen; ein US-Staatsbürger darf auch
nicht für ein Online-Casino irgendwo sonst auf der Welt arbeiten, selbst
wenn es auf Antigua völlig legal und von der Regierung genehmigt ist.
Aber trotz dieser Geheimniskrämerei wird es jedem, der ansatzweise über
IT-Kenntnisse verfügt, möglich sein, einen Job bei einem dieser Kasinos
zu bekommen. Die meisten entwickeln keine Software auf Antigua, aber sie
brauchen Netzadministratoren, Sicherheitsleute, Skript-Programmierer oder
einfach Administratoren, die den Pager mit sich herumtragen und die richtigen
Knöpfe am Rechner drücken, wenn was schief geht. Ich habe eine Anzahl
von Anzeigen in den lokalen Zeitungen gesehen, und ansonsten kann man auch
einfach die Mundpropaganda-Methode probieren - bester Startpunkt wäre
eine der größeren Kneipen.
Wer das ernsthaft erwägt, sollte vorher die rechtliche Situation im
Heimatland prüfen. Für Deutsche sind die Paragraphen 284-286 des StGB
interessant sowie die Frage, um welche Behörden es sich eigentlich beim
Ausdruck "Glücksspiel ohne behördliche Erlaubnis" handelt.
Handwerk
Aus meiner Erfahrung lassen die meisten handwerklichen Arbeiten auf Antigua -
Sanitärinstallationen, Maurer, Schreiner, Elektriker - etwas zu wünschen übrig.
Ob das jetzt von der beschränkten Verfügbarkeit von Materialien kommt (alles,
was komplizierter als Nägel und Schrauben ist, muß aus Miami importiert werden)
oder einfach nur mangelndes Können ist - es braucht lange und oft mehrere Anläufe,
bis man jemanden findet, der eine Arbeit so macht, wie man das erwartet.
Da die Preise für solche Dienstleistungen aber nicht deutlich anders sind als
ich es aus Europa kenne, nehme ich an, daß jemand, der eine solide handwerkliche
Ausbildung hat, eigentlich ganz gut in einem dieser Bereiche arbeiten können
müßte; eventuell sogar einen eigenen Laden aufmachen. Wer irgendeine
Dienstleistung anzubieten hat, die von all den Firmen in Anspruch genommen
werden kann, die ständig Büros aufmachen oder umziehen, und deren Verantwortliche
aus Europa oder den USA kommen und dortige Verhältnisse gewohnt sind, der sollte
kaum Probleme haben - die Mundpropaganda etabliert ihn schneller, als er eine
Visitenkarte drucken kann.
Diese Idee ist natürlich mit etwas Vorsicht zu genießen, weil ich es nie selber
probiert habe und daher nicht weiß, wieviele bürokratische Hürden man überwinden
muß.
Rückmeldungen erwünscht!
Ich freue mich über jede Zuschrift von anderen, die auf Antigua arbeiten oder
gearbeitet haben, und veröffentliche die Erfahrungen hier gerne anonymisiert
("Ein Leser schrieb...") - so wir die Seite noch informativer für diejenigen,
die so etwas vorhaben.
Links
In der
Antigua and
Barbuda Newsgroup