Hurrikan!

Ich habe zwei Hurrikane auf Antigua mitgemacht - Jose im Oktober und Lenny im November 1999. Jose war schon ein paar Tage vorher angekündigt worden, und ich wußte, daß es ernst wird, als mein Friseur eines Dienstags anrief und mir mitteilte, daß mein Termin am Nachmittag leider abgesagt werden müsse: "Wir schließen heute früher".


Der Hurrikan Jose am 20. Oktober 1999 um 18:45 UTC.
Antigua ist der grüne Punkt fast genau in Bildmitte,
am unteren rechten Rand der violetten "Wolke".
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Zu dieser Zeit waren dann auch schon die meisten Gebäude in St. John's verrammelt - entweder wurden einfach Bretter vor Türen und Fenster genagelt, oder man verfügte über professionelle, metallene Sturmbeschläge. Alle Läden schlossen (der Supermarkt war ohnehin völlig ausverkauft). Dann fing der Regen an, und das war alles für den größten Teil des Dienstags. Die Winde wurden stärker, und als die Nacht hereinbrach, waren sie stark genug, daß man sich nicht mehr aus dem Haus wagen konnte (die gemessenen Windgeschwindigkeiten erreichten rund 200 km/h). Ich war sowieso damit beschäftigt, das Regenwasser, das der Wind zu diversen Fenstern hineinpreßte, aufzufangen oder abzuwehren. Zuerst gab unsere Internet-Standleitung den Geist auf, später die Telefonleitung, und schließlich fiel auch der Strom aus. Unsere Häuser hatten einen Generator, der pflichtgemäß den Dienst übernahm - aber nur so lange, bis sein Dieseltank alle war, dann verabschiedete auch er sich unter seltsamen Geräuschen.

Wo wir bei Geräuschen sind: Es war eine seltsame Nacht, in der der Regen unermüdlich auf unsere Dächer herniederprasselte. Die Dächer waren aus Holz und mit Blech abgedeckt, was einen hervorragenden Resonanzkörper abgab.

Ich verbrachte den ganzen Mittwoch im Bett. Es war eigentlich gar kein richtiger Tag, mehr so ein fließender Übergang zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung. Gegen Mittag gab es einmal recht gutes Wetter, sogar ohne Regen - das muß das Auge des Sturms gewesen sein, denn danach wurde es wieder schlimmer. Am Donnerstag war dann fast alles wieder normal, also ging ich zur Arbeit. Auf den Straßen lagen ein paar Baumstämme, und es dauerte noch ein paar Tage, bis der Strom wieder da war (einige Ampeln waren noch Monate später außer Betrieb), aber das schlimmste war überstanden. Der Schaden war insgesamt nicht allzu groß, doch trotzdem haben eine Anzahl von Leuten ihre Häuser und ein paar ihr Leben verloren.

Offenbar werden hier in solchen Notlagen routinemäßig die gesamten Bediensteten der staatlichen Telefongesellschaft zu Aufräum- und Reparaturarbeiten herangezogen (und andere Staatsangestellte/Beamte wohl auch). Lustig! Natürlich nicht für die.


Straßenschaden nahe Dickenson Bay
nach Lenny (Foto: Alan B. Scholl)
Der Hurrikan Lenny fühlte sich nicht so stark an wie Jose (ich mußte nicht gegen Wasser kämpfen, das vom Wind zu den Fenstern hereingepreßt wurde), aber er dauerte länger. Lenny war etwas Besonderes, weil er sich nicht in der gleichen Richtung bewegte, die Hurrikane sonst einschlagen. Er erwischte Antigua nicht direkt, sondern hing tagelang vor St. Maarten im Norden, Tage des Regens für die sonst eher trockene Insel Antigua.

Während und nach Lenny waren einge Straßen unbenutzbar, weil man sie einfach unter dem ganzen Schlamm und Wasser nicht sehen konnte. Andere sind teilweise weggespült worden, und obwohl Lenny nicht so viel direkten Schaden angerichtet hat wie Jose, dauerten die Aufräumarbeiten danach deutlich länger.

Links

Jose rips off roofs in Antigua (USA Today)
Jose Diary from Antigua (Antigua Today)
Hurricane Lenny Index (USA Today)
Lenny Diary from Antigua (Antigua Today)
Spectacular Hurricane Movies


  Frederik Ramm, 2001-11-15