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Montag, 13. November 1989, S. 2
In einem "Aktionsprogramm" strich die SED alle Sonderregelungen und Vergünstigungen für Funktionäre, "die nicht durch Leistungen gerechtfertigt werden". DDR-Generalstaatsanwalt Wendland kündigte an, daß "Straftaten im Amt" wieder in das Gesetzbuch aufgenommen würden. Es gehe um die "strafrechtliche Verantwortung von Staatsfunktionären".
Unterdessen ist SED-Generalsekretär Krenz an der Parteibasis weiter umstritten. So forderten 6000 SED-Mitglieder bei einer Kundgebung in Leipzig einen Sonderparteitag. In Dresden sprach sich SED-Bezirkschef Modrow ebenfalls für den vom Politbüro angekündigten Sonderparteitag aus. Krenz räumte ein, daß die Entscheidung unter dem Druck der Basis gefallen sei.
Angesichts des ungehemmten Reisestroms von DDR-Bürgern in den Westen haben Vertreter des DDR-Jugendverbandes FDJ, der evangelischen Jugendarbeit und der Opposition in einer gemeinsamen Erklärung "Angst um die Existenz unseres Landes" geäußert. Der SED-Spitze wird vorgeworfen, die neue Reisepraxis ohne flankierende politische und ökonomische Konzepte eingeführt zu haben.
In der DDR-Bevölkerung tritt unterdessen immer mehr Abneigung gegen SED-Mitglieder offen zutage. Nach einem in der Ost-Berliner Zeitung veröffentlichten Leserbrief werden SED-Mitglieder, die das Parteiabzeichen tragen, in der Öffentlichkeit "beleidigt und sogar beschimpft".
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