Höchster Kreisblatt, Dienstag, 14. November 1989, S. 2

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Handel bereitet sich aufs Wochenende vor

Frankfurt (NP). - Als ein glänzendes Zusatzgeschäft erweist sich der Ansturm der DDR-Besucher für den bundesdeutschen Einzelhandel. Allein seit der Grenzöffnung dürften die Kaufhäuser und Geschäfte in Berlin und den grenznahen Städten einen Extraumsatz von 50 Millionen Mark gemacht haben, schätzt die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels. Heinz Garsoffky, Horten-Chef und Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetribe des Einzelhandels, rechnet bis zum Jahresende mit einem Nachfrageschub von insgesamt 500 Millionen Mark. Weitgehend dürften diese Käufe mit dem Begrüßungsgeld finanziert werden, von dem seit dem 9. November etwa 300 Millionen Deutsche Mark an DDR-Bürger ausgezahlt wurden. Nachdem Warenhäuser und Filialmärkte in Berlin oder Lübeck von dem Strom der DDR-Besucher Ende der vergangenen Woche überrollt wurden, bereitet sich der Handel jetzt schon auf das nächste Wochenende vor. Schon jetzt scheint sicher, daß in den Brennpunkten im grenznahen Bereich die stark betroffenen Geschäfte an diesem und dem darauffolgenden Samstag wieder lange geöffnet haben werden. Die Annahme von Ost-Mark zum Kurs von 1 DM für 10 Ost-Mark dürfte unbürokratisch geregelt werden. Zwar lief gestern die Abnahmegarantie der Großbanken für den Einzelhandel zum festen Umtauschkurs ab. Es wird aber nicht ausgeschlossen, daß die Institute eine solche Garantie erneut aussprechen.

In den ersten Tagen ihrer grenzenlosen Reisefreiheit beschränkten die DDR-Besucher ihre Käufe auf Artikel im Niedrigpreisbereich bis 30 Mark. Südfrüchte wie Bananen und Ananas, aber auch Fischkonserven, Strumpfhosen oder Schallplatten gingen weg wie warme Semmeln. Zeigten die Beschäftigten im Handel bei der Einführung des Dienstleistungsabends noch wenig Begeisterung über verlängerte Arbeitszeiten, so wollten sie jetzt spontan und freiwillig die historischen Stunden in der deutschen Nachkriegseschichte hautnah miterleben.

Bananen fanden in West-Berlin reißenden Absatz bei den DDR-Besuchern. (Foto: ap)


Anmerkungen:


  Frederik Ramm, 2001-04-27