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Dienstag, 14. November 1989, S. 3
Frankfurt. - Das Tempo ist atemberaubend: 15000 DDR-Bürger beim Fußball-Zweitligaspiel Hertha BSC Berlin gegen Wattenscheid. Einfach so. Eisschnellauf-Olympiasieger Uwe-Jens May aus der DDR in Frankfurt am Main. Kurzfristig. Kugelstoß-Weltrekordler Ulf Timmermann im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Atemberaubend. Und man spürte auch, wo Timmermann der Schuh drückte. Welche Frage (noch) nicht ausgesprochen wird: Was wird aus den Privilegien der großen Sport-Heroen? Denn all das, für das der DDR-Bürger jetzt demonstrierte, haben die Sportstars stets und unaufgefordert erhalten: Westreisen; Devisen; Autos - nicht nach 18 Jahren Wartens, sondern nach 18 Monaten; Ferien in der Karibik - nicht im Erzgebirge; Bauplätze - da, wo es am schönsten ist. Denn die Sportler waren die Propaganda-Garde des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates.
Doch dieses scheinbare Sportler-Idyll kann es nun nicht mehr geben. Denn, wenn der Sport in der DDR künftig seine Geschäfte mit westlichen Sponsoring-Agenturen betreibt, weil er Devisen einnehmen will, wenn DDR-Sportstars für Limonade und Autos, für Fernseher und Kaugummi Reklame laufen, springen oder spielen - dann hat der DDR-Sportstar alter Prägung ausgedient. Dann ist Marktwert gefragt und nicht Mythos.
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