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Höchster Kreisblatt, Dienstag, 14. November 1989, S. 11

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Auf der Zeil gab es lange Gesichter

Frankfurt (fes). - "Aber am Sonntag durfte man doch nicht öffnen, das galt nur für Berlin" - der Chef einer Modeboutique auf der Zeil wollte nicht glauben, daß er auch am Sonntag hätte verkaufen können. Sichtlich trauerte er dem entgangenen Rekordumsatz nach: "Wenn ich das nur gewußt hätte."

Diesen Seufzer stieß am Montag mancher Verkäufer modischer Kleidung aus. Die Zeil war am Sonntag voller DDR-Bürger, aber auf der Umsatzträchtigsten Einkaufsmeile der Republik waren die Läden zu. Die Gründe waren unterschiedlich: Die meisten wußten nichts von der Ausnahmeregelung - ausgerechnet die, die es wußten, wollten nicht. "Für 100 Mark kriegen sie bei uns doch kaum etwas", hieß es in einer Edel-Boutique.

Andere Probleme gab es bei den Obst- und Gemüsehändlern: "Das Obst war am Samstag um 16 Uhr ausverkauft, wo sollte ich am Sonntag neues herbekommen", ärgerte sich Hans Kress, der seinen Stand an der Hauptwache hat.

Zumindest ein Geschäft aber hatte geöffnet: Die Buchhandlung an der Paulskirche. "Straßenkarten, Stefan Heym und Solschenizyn - wir haben alles verkauft, was da war." Aber auch sonst sei das Geschäft riesig gelaufen: "Die Leute haben uns fast den Laden eingerannt. Wir kamen kaum dazu, die Auslage rauszustellen."


[deutsch] [english] [about] [contact]   Frederik Ramm, 2001-06-29