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Montag, 13. November 1989, S. 1
DW. Bonn - Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher haben in Telefongesprächen am Wochenende die wichtigsten westlichen Staatsoberhäupter über die neue Situation in Berlin und die Ergebnisse der Polenreise des Kanzlers informiert. Dabei schlug Kohl gegenüber dem französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand vor, das Thema Wirtschaftshilfe für die DDR auf dem nächsten EG-Gipfel in Straßburg Anfang Dezember zu behandeln. Kohl forderte die EG-Partner auf, auch im Fall der DDR ihre gesamteuropäische Verantwortung wahrzunehmen.
In einer Pressekonferenz wies der Kanzler am Samstag darauf hin, daß er in ständiger Verbindung mit dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow stehe. In Gesprächen am Freitag abend und am Samstag habe Kohl ihm seine Einschätzung der Lage mitgeteilt. Dem US-Präsidenten George Bush sprach der Kanzler seinen Dank aus für alles, was Amerika für die Freiheit Berlins getan habe. Kohl und Bush erörterten die Lage in Deutschland nach der Öffnung der DDR-Grenze. Ein ähnliches Gespräch führte Kohl am Freitag abend mit der britischen Premierministerin Thatcher. Das Büro von Frau Thatcher in London teilte mit, daß sich beide Staatsoberhäupter darin einig seien, daß wirkliche Demokratie in der DDR entstehen müsse.
Außenminister Genscher bekräftigte am Samstag in einem Telefongespräch mit seinem sowjetischen Amtskollegen Eduard Schewardnadse, daß die Bundesrepublik zum Moskauer und Warschauer Vertrag genauso stehe wie zum Vertrag mit der CSSR und dem Grundlagenvertrag mit der DDR. Bereits am Vorabend hatte Genscher mit den Außenministern Frankreichs, Englands und der USA telefoniert. Er dankte ihnen für die Hilfe und Unterstützung, die die Alliierten seit dem Zweiten Weltkrieg geleistet hätten. Genscher bezeichnete die Entwicklung der vergangenen Tage als Ergebnis der gemeinsamen Politik des westlichen Bündnisses.