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Die Welt, Montag, 13. November 1989, S. 13

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US-Dollar wird seinem Ruf als Krisenwährung gerecht

Anleger gehen vorübergehend in die amerikanische Währung

DW. New York

Der Kurs des Dollars ist in der Nacht auf Samstag im US-Handel als Folge der Entwicklungen in der DDR deutlich angestiegen. Nach sehr nervösem Handel lag der Schlußkurs der US-Währung mit 1,8675 Mark um genau anderthalb Pfennig über seinem Vortagesstand. Das Tageshoch hatte sogar bei 1,8705 Mark gelegen. Der amtliche Mittelkurs der Dollars war dagegen am Freitag in der Bundesrepublik nur mit 1,8517 Mark festgestellt worden.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der DDR und die möglicherweise daraus resultierenden Belastungen für die Bundesrepublik führten nach Angaben von Devisenhändlern zu einem geordneten Rückzug der Geldströme in den US-Dollar, der damit erneut seinem Ruf als Krisenwährung gerecht geworden sei. Offenbar hatten viele Investoren gefürchtet, daß ein "Massenexodus von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik" zu einer wirtschaftlichen Belastung Westdeutschlands führen könnte. Die feste Tendenz der US-Währung sei jedoch nicht ausschließlich als Dollarstärke zu interpretieren. Vielmehr habe die Mark auch gegenüber anderen Währungen Schwäche gezeigt, speziell gegenüber dem Yen. Positiv reagierte dagegen der amerikanische Aktienmarkt auf die Öffnung der DDR-Grenzen. Der Dow Jones-Index stieg bei aufgrund eines Bankfeiertags und eines Brands in der Wall Street nur geringem Umsatz von knapp 132 Millionen Aktien um 21,92 Punkte auf 2625,61. Große Teile des Handels gehen davon aus, daß viele US-Unternehmen von dem wirtschaftlichen Nachholbedarf in der DDR profitieren werden.


[deutsch] [english] [about] [contact]   Frederik Ramm, 2001-05-06