Kim Stanley Robinson: Red Mars, Green Mars, Blue Mars

Die drei Bücher zusammen sind eine Saga über die Kolonisierung des Mars. Ich habe sie in etwas größerem Abstand voneinander gelesen, was aber auch nicht weiter tragisch ist, da sie von der Story her recht alleinstehend sind.

Red Mars beginnt etwa 2025: Ein Raumschiff mit Kolonisten ("The First Hundred") wird auf den Mars geschickt. Die Gruppe soll anfangen, ihn zu erforschen und bewohnbar zu machen (was nicht immer beides in Einklang zu bringen ist). Im Verlauf der Geschichte entspinnen sich nicht nur eine Anzahl von persönlichen Konflikten und Führungsgerangel, sondern es wird auch klar, daß die "Marsianer" ihre Idylle nicht lange für sich alleine haben: Gierig strecken multinationale Konzerne, die die Erde faktisch beherrschen, ihre Finger nach dem Mars aus. Ein "Space Elevator" verbindet die Mars-Oberfläche per Karbonkabel mit einem versklavten Asteroiden im areostationären Orbit, auf dem man sehr leicht Raumschiffe von der Erde anlanden kann, und dieser "Mars-Erde-Expreß" läßt das ganze noch schneller eskalieren. Am Ende von Red Mars kommt es zu einer Revolution, und Green Mars beginnt mit einer langen Schilderung des Lebens "im Untergrund", bevor die "Guten" nach rund 100 Jahren auf dem Mars wieder Fuß fassen.

Ja, richtig gelesen: nach 100 Jahren - und obwohl hier auch neue Charaktere eingeführt werden (die ersten auf dem Mars geborenen Generationen), hat Robinson sich die Sache vom erzählerischen Standpunkt her leicht gemacht, indem er ein "gerontological Treatment" erfand, das, alle 40 Jahre angewandt, das Altern verhindert oder zumindest vermindert. Unsere Helden erleben also durchaus ihr 100jähriges Mars-Jubiläum.

Die Bücher sind sehr detailreich. Die beiden ersten haben je ca. 600 Seiten, und Robinson gibt uns eine ziemliche Breitseite wissenschaftlicher Details: Seien es soziologische Phänomene, die das lange Zusammenleben der "First Hundred" mit sich bringt, seien es biologische und geologische Fragen (wie man genetisch manipulierte Moose und Algen herstellt und andere Tricks anwendet, um Mars früher oder später eine atembare Atmosphäre zu verschaffen) oder auch die üblichen Technik-Spielereien. Da ist wirklich allerhand Suchtmittel für Technikfreaks vorhanden, und man hat nicht, wie bei einigen anderen SciFi-Romanen, das Gefühl, daß all der Kram "vom Himmel fällt", sondern alles hat Hand und Fuß, und man kann den technischen Fortschritt auch gut mitverfolgen. (Ich habe eine Kritik eines amerikanischen Lesers gesehen, der die technischen Details alle sehr unglaubwürdig fand. Aber mir ging das nicht so.)

Gegen Ende der Trilogie, beginnend im zweiten und sehr stark im dritten Band, neigt sich das Gewicht fort von der Technologie und hin zur Politik, die dann in der Beziehung Erde-Mars und Mars-intern eine große Rolle spielt.

Als Nachteil - ich empfand es so - ist anzumerken, daß der gleiche Detailreichtum, den man bei der Beschreibung des technischen Fortschritts findet, auch nicht ausbleibt, wenn es um die Beschreibung der (sich verändernden) Marslandschaft geht. Seitenlang liest man zum Teil von seltsamen Gesteinsformationen, interessanten Farben, die das Abendlicht hervorruft, später den ersten Pflanzen, die Fuß fassen usw. - ich habe da oft in den überfliege-Modus geschaltet, bis wieder die Rede von Menschen war, mir ging das etwas auf den Geist. Von diesen Längen abgesehen, sind die Bücher aber durchaus spannend.

SciFi-Rating: Keine Aliens, nur Menschen. Zumindest für den interessierten Laien passen alle Details gut zusammen, viele "Hintergründe".

Bezugsquelle

Red Mars / Roter Mars (deutscher Titel) Green Mars / Grüner Mars (deutscher Titel) Blue Mars / Blauer Mars (deutscher Titel)


  Frederik Ramm, 2002-01-04