Frederiks Plattenregal

Ich glaube nicht ernsthaft, daß jemanden wirklich interessiert, was für Musik ich höre. Aber vielleicht teilt jemand mit mir die Vorliebe für den einen oder anderen Interpreten und kann sich dann aus dieser Liste hier einige Empfehlungen destillieren...

Das ganze ist natürlich nur eine Auswahl von Empfehlenswertem. Wenn ich von einem Interpreten oder einer Gruppe mehrere Platten aufliste, dann die besten zuerst.

Folk-Rock und irische, gälische, keltische Musik

The Pogues Klingen mir ein bißchen zu wild und betrunken, aber ein paar tolle Lieder haben sie schon gemacht (einsamer Spitzenreiter bei mir: Young Ned of the Hill)
The Rest of the Best, WEA 1992
 
Paddy Goes to Holyhead Hier merkt man, daß ich SWF3-Hörer war... "Paddy" ist eine deutsche Gruppe, die aber ziemlich guten irischen Folk-Rock macht. Die CD "Hooray" hat eine nette Seefahrt-Stimmung.
Ready for Paddy, 1994; Hooray, 1998; Here's to the People, 1994; E. & O.E., WEA 1996
 
Runrig Auch eine Spezialität von SWF3-Land. Eine Gruppe aus Schottland, die eine längere Zwangspause durchgemacht hat, weil eines der Bandmitglieder auf Skye in die Politik gegangen war, aber jetzt sind sie wieder dabei. Die meisten kennen sicherlich die Runrig-Adaption des alten schottischen Songs "Loch Lomond" (das ist ein großer See 20 Autominuten nördlich von Glasgow). Mir gefallen die fetzigen Sachen fast besser als die besinnlichen, zum Teil auf Gälisch gesungenen.
Once in a Lifetime, Chrysalis 1988; Amazing Things, Chrysalis 1993; Searchlight, Chrysalis 1989; Mara, Chrysalis 1995
 
Clannad Diese Folk-Truppe hat schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel und hat eine Vielzahl von Platten herausgebracht, die sich nicht besonders unterscheiden. Die Stücke sind auch eher ruhig, stimmbetont, aber auch mit viel Synthesizer-Unterstützung, und sie haben auch diesen gälischen Einschlag. Viele werden den Titelsong aus der Vorabendserie "Robin Hood" (Robin - the Hooded Man) wiedererkennen.
Macalla, RCA 1985; Sirius, BMG 1987; Legend, RCA 1984; Banba, BMG 1993
 
Loreena McKennitt Eine Kanadierin, die aber der Musik nach England zu ihrer Wahlheimat gemacht hat. Sehr schöne, langsame Musik, manchmal ganz ähnlich wie die von Clannad. Allerdings hat Loreena McKennitt eine wirklich wunderbare Stimme, die mal sanft und ätherisch dahinschwingt, mal richtig hart und ergreifend werden kann. Dazu spielt sie Harfe und bringt auch mal das eine oder andere exotischere Instrument ins Spiel, wenn sie der Musik einen fremdländischen Touch geben will.
The Mask and Mirror, WEA 1994; The Visit, WEA 1991; The Book of Secrets, WEA 1997; Parallel Dreams, 1989
 
Steeleye Span Diese britische Folk-Combo hat vor Ewigkeiten mal mit dem lateinischen Song "Gaudete" einen Hit in ihrer Heimat gehabt. Hört sich, nicht nur wegen der Sprache, etwas mittelalterlich an, ähnlich wie einige Frühwerke von Sally Oldfield (als sie noch nicht Natasha hieß).
Below the Salt, Chrysalis 1988
 
Rebecca Pidgeon Eine sehr angenehme kürzliche Ergänzung zu meiner Sammlung - wäre ich nie draufgekommen, wenn nicht ein befreundeter HiFi-Freak die Platte wegen der angeblich sehr guten Aufnahmequalität gekauft hätte! Die Dame singt sehr schöne alte Folk-Balladen mit wenig Instrumentierung; ist aber genau richtig. Hat manchmal fast amerikanischen Einschlag, weil zuweilen ein Banjo-ähnliche Instrument zum einsatz kommt, aber der Akzent ist nicht gerade aus Texas ;-)
Four Marys, Chesky Records 1998
 

Härtere Sachen

Billy Idol Ich weiß nicht viel über den Mann, vermutlich ist er inzwischen ziemlich verbraucht, aber als er noch "Power" hatte, kamen ganz fetzige Sachen dabei heraus.
Vital Idol, Chrysalis 1985
 
Metallica Das "schwarze Album" ist (neben Mahlers fünfter Sinfonie) meine Lieblingsplatte zum Lauthören, wenn er Nachbar mal wieder Löcher in die Wand bohrt. (Auch sonst.) Was ich an Metallica schätze, ist, daß sie schon aggresive Musik machen, aber irgendwie etwas subtiler als andere Haudrauf-Metaller. Neulich kaufte ich das Doppelalbum "Garage Inc.", und die Adaption von "Whiskey in the Jar" gefällt mir ziemlich gut. - Ich hörte, es gibt ein Album namens "Tribute to the Black Album" von verschiedenen Musikern, mit Coverversionen aus dem Black Album - das muß ich unbedingt mal kaufen.
Metallica (the black album), 1991; Garage, Inc., 1998; ...And Justice For All, 1988
 
Whitesnake Für Whitesnake gilt Ähnliches wie für Metallica, vielleicht sind sie ein bißchen softer. "Here I Go Again" hat bestimmt jede(r) schon einmal gehört.
1987, EMI 1987
 
Alice Cooper Dieser Typ sind ein bißchen wahnsinnig aus, und seine Texte sind zum Teil auch dergestalt, daß man ihm nicht unbedingt auf der Straße begegnen will - aber eigentlich sind das ja alles ganz nette Jungs. Besonders nett und mit fast romantischem Text: "Hell is Living without You".
Trash, CBS 1989
 
Gary Moore Ich glaube, über Gary Moore muß ich nicht die Mühe machen, etwas zu schreiben, den kennt ja jeder. Hat sich in der letzten Zeit ein wenig zum Blues-Sänger entwickelt, was ich bedaure - die alten Sachen waren schöner, sowohl die Balladen (wer aus meiner Generation hat nicht mal zu "Empty Rooms" geschmust?) als auch die härteren Stücke ("Out in the Fields", "Over the Hills and Far away").
Wild Frontier, 1987; Run for Cover, 1985
 
Project Pitchfork Ich tue mich immer schwer mit Genres. Ist das jetzt Industrial Rock? Eine deutsche Band zumindest, die das elektronische Äquivalent zu härterem Rock produziert. Die Texte scheinen mir oft Abwandlungen von "wir werden alle in einer Öko-Katastrophe untergehen" zu sein, aber ein bisschen düstere Untergangsstimmung paßt ganz gut zum Stil. Auch gut zum Lauthören geeignet.
Eon:Eon, eastwest 1998
 

Elektronische Musik

Mike Oldfield Mike Oldfield ist ein ziemlich vielseitiger Musiker, und noch dazu holt er sich (nach frühen schlechten Erfahrungen als Folk-Duo "Sallyangie" mit seiner Schwester) immer gute Sängerinnen und Sänger dazu. Er hat viele Instrumentalplatten gemacht, aber auch einige mit ganz normalen Pop-Stücken ("Moonlight Shadow" war hier in Deutschland ein großer Hit und wurde sogar von Juliane Werding gecovert). Ich habe alle seine Platten, und sie zu bewerten, fällt schwer; die unten angegebene ist sicherlich ein ganz guter Einstieg, weil sie einige schöne kurze Songs enthält, aber auch ein typisches langes Instrumentalstück.
Discovery, Virgin 1984
 
Jean-Michel Jarre Dieser Mann ist ein Show-Talent - wer einmal eine Aufzeichnung eines seiner Riesenkonzerte samt ihm an der "Laser-Harfe" gesehen hat, weiß, wovon ich spreche. Aber die Musik ist auch ganz nett, lange Instrumentalstücke eben, aber durchaus auch mit "rockigen" Passagen, in der letzten Zeit scheint er sich fast ein bißchen in Richtung Dancefloor zu bewegen.
Oxygene, Polydor 1976; Jarre Live, Polydor 1989
 

Frauen mit großartigen Stimmen

Sinead O'Connor Ich höre Musik ja oft "im Hintergrund", während ich etwas anderes tue, aber das ist bei der (im wirklichen Leben, glaube ich, ziemlich verrückten) Sinead O'Connor recht schwer. Viele Lieder sind doch sehr eingehend, fast beschwörend, dann wieder fast aggressiv - auf jeden Fall etwas besonderes!
The Lion And The Cobra, Ensign 1987; Universal Mother, Ensign 1994
 
Tanita Tikaram Viele (zumindest aus meiner Altersgruppe) werden sich an den Hit "Twist In My Sobriety" erinnern. Die (unten erstgenannte) Platte, von der dieser Song stammt, enthält viele schöne, lockere, manchmal fast ein bißchen jazzige Stücke - nicht immer "fröhlich", aber gut. Zwischendurch hat sie dann ein paar (oder war es nur eine) weniger interessante Platten gemacht, und die neueren "Capuccino Songs" sind wieder recht empfehlenswert, eher noch unbeschwerter als die ältere CD.
Great Expectations, WEA 1989; The Capuccino Songs, Mother Records 1998
 
Suzanne Vega Suzanne Vegas Hits sind noch älter als die von Tanita Tikaram. Ihre LPs waren damals unter den ersten, die ich mir kaufte, als ich "in das Alter" kam. Die späteren CDs, besonders 99.9°, verließen etwas den "meine Gitarre und ich"-Stil der frühen alben und wurden fast ein bißchen rockig, aber ich finde beides gleich gut. Suzanne Vega war wohl so ungefähr die Alanis Morissette meiner Zeit - natürlich viel sanfter, weniger agressiv, und mit Texten, die manchmal auch ein bißchen rätselhaft sind.
Suzanne Vega, A&M 1985; Solitude Standing, A&M 1987; 99.9°F, A&M 1992
 
Kate Bush Wo wir gerade bei Rätseln waren - Kate Bush habe ich auch nie so ganz verstanden. Ihr Musik ist schwer einzuordnen, eigentlich oft schon zu verkünstelt, um noch unter "Pop" zu fallen. Aber jede Platte hat ihren ganz eigenen Charakter, und ein paar Stücke kennt man von den meisten. Ich glaube, Kate Bush gehört eher zu denen, die ganze Platten "konzipiert" und nicht einzelne Songs schreibt.
Never For Ever, Original Sound Recordings, 1980; Hounds Of Love, 1985
 
Tori Amos Und wir verweilen noch ein bißchen bei Musikerinnen, deren Gedankenwelt sich Außenstehenden nur schwer erschließt. Tori Amos ist im Vergleich zu den Vorgenannten ja top-aktuell. Sie nimmt auch gerne mit wenig Instrumenten auf - zuweilen sogar ausschließlich mit Flügel. Auch Tori Amos hat die Gabe, mit ihrer Stimme zwischen Sanftmut und Wut hin- und herzuwechseln (manchmal mit dem Umweg über ein bißchen Wahnsinn), und den Effekt finde ich oft ziemlich fesselnd, besonders bei dem erstgenannten Album.
From The Choirgirl Hotel, eastwest 1998; Under The Pink, eastwest 1994; Little Earthquakes, eastwest 1992

So, das war mal ein Anfang. Mehr gibt es bei Gelegenheit!


  Frederik Ramm, 2005-12-18