Ende des Verkoster-Kommentars.Tja. Was soll der Verkoster sagen, wenn seine Stellung gerade so glorreich eingenommen wurde?
Ich könnte mich jetzt damit brüsten, daß mein Favorit genau das war, was ich vermutete, und der von mir an Platz 2 gesetzter Whisky einer der teureren. Das tilgt aber nicht die unendliche Schande, einen "Old Keeper" von Aldi, Alter "3 years and more", für schlappe 10 EUR/l (d.h., ich müßte für die Flasche gerade mal 7 Euro zahlen!) in die Oberklasse verfrachtet zu haben... Das ertrage ich nicht, ich gehe mich jetzt ertränken - in 30jährigem Bruichladdich für 150 Euro den Liter, der bei mir gerade mal als "gehobene Mittelklasse" durchging. Ade, Du schnöde Welt.
Auch ohne Statistik zu konsultieren, ist mir nach dem Test klar, daß Preis und Geschmackseindruck tatsächlich nicht korreliert sind. Dies war Gegenstand des Disputs, ich war anderer Ansicht, ich habe etwas dazugelernt. Interessant wäre, wie das Urteil ausgefallen wäre, wenn ich gewußt hätte, was da drin ist - ob das schiere Wissen um 150 Euro pro Liter tatsächlich das ehrfürchtige Erstarren gebracht und eine Lobeshymne ausgelöst hätte.
Am spannendsten ist die Frage, welche Konsequenzen aus dem Ergebnis zu ziehen sind. Nur noch bei Aldi und Lidl Whisky kaufen (immerhin beides Oberklasse) - oder sagen "sch*** drauf" und weiter wie bisher? Oder den Rest des Tests ignorieren und nur noch 18jährigen Macallan kaufen - für 115 Euro den Liter?
Jedenfalls werde ich morgen zu Aldi und Lidl gehen und sowohl einen "Ben Bracken" als auch einen "Old Keeper" erwerben, mal sehen, ob der Zauber noch wirkt. Falls nicht, schmerzt es bei dem Preis nicht zu sehr, ihn in den Ausguß zu kippen... Und als nächstes wünsche ich mir eine Blindprobe mit Wein, das setzt noch weiteres Einsparpotential frei.
Eine lustige Idee war es jedenfalls, es hat Spaß gemacht, dabeigewesen zu sein.
PS: Es verblüfft mich am meisten, daß der von mir so geschmähte "A" ausgerechnet Glenfarclas 105 gewesen sein soll. Hier bin ich sogar ein wenig ungläubig, da es noch nicht so lange her ist, daß ich mein aus Schottland mitgebrachtes Probefläschchen geleert habe. Hier werde ich - ebenso wie bei einigen anderen aus der Liste - ein Probefläschchen nachkaufen. Es interessiert mich sehr, ob ein Stück Papier (das Etikett) tatsächlich geschmacksentscheidend ist.
Der Verkoster hat einige der Ergebnisse durch eigene Einkäufe selbst überprüft und mir rund zwei Wochen später den folgenden Nachtrag geschickt:
Bowmore Legend vs. Laphroaig 10yr -Ende des Nachtrags.
blind den einen für den anderen zu halten ist keine Schande, die sind sich auch sehend _sehr_ ähnlich. Natürlich ist der Laphroaig im direkten Vergleich noch einen Tuck rauchiger und jodhaltiger, aber der Bowmore kann seine Sache schon ganz gut, so daß für beide das (nicht abwertend gemeinte) Urteil "perverser Inselmalt" angemessen war.Bruichladdich 10yr vs. Bruichladdich 20yr -
selbst mit Kenntnis des Preises fand ich beide nicht besonders gut, den 20yr aber besser als den 10yr. Schade ums Geld - ein Vermögen würde ich für Bruichladdich nicht ausgeben wollen. Apropos (was auch eine Bemerkung im Statement zum Testergebnis war): das sind zwar Inselmalts, aber sie schmecken nicht wie welche. Nicht mal, wenn man's weiß.Glen Ord vs. Lagavulin -
meine Güte. Den Glen Ord der Probe hatte ich etwas anders in Erinnerung als den jetzigen, aber von der Richtung her stimmte es, so daß ich eine Verwechslung eigentlich ausschließen würde. Lagavulin ist deutlich anders, sehr typisch inselmäßig, aber nicht pervers - und beim ersten Riechen (erst recht beim ersten Schluck) kam die Erinnerung zurück. Bei dieser Verwechslung hat mir mein Langzeitgedächtnis einen bösen Streich gespielt, vielleicht war ja der Wunsch der Vater des Gedankens, einfach weil ich Lagavulin so sehr mag.Glenfarclas 105 -
böse, böse. Die erneute Probe schmeckte genauso übel wie die angeprangerte bei der Blindprobe. Nach einem kleinen Schluck habe ich aufgegeben und mit Wasser verdünnt, danach war es wenigstens genießbar. Hier bin ich _sicher_, daß man bei der Produktion etwas geändert hat, vielleicht nimmt man nun "jüngeren" Whisky, wogegen man früher länger gelagerten nahm. Definitiv weiß ich, daß ich bei meinem Erstkontakt mit diesem Whisky (vor über 10 Jahren!) begeistert und verblüfft war - in meiner Erinnerung war er weich, wohlschmeckend, durchaus komplex und malzig, nur eben beim Runterschlucken sehr warm, ölig und immens wärmend im Magen. Dies ist nicht zu verwechseln mit dem Brennen, das die jetzige (und auch die Blindprobe) an den Tag legte, das ist einfach nur Industriealkohol. Dazwischen liegen Welten. Hier bin ich mir nicht mehr gram, daß ich _den_ nicht erkannt habe.Ben Bracken -
Der Wiedererkennungseffekt war deutlich, Ben Bracken ist wirklich der Whisky aus dem Test. Ebenso bleibt es dabei, daß er mir schmeckt. Sicherlich kein "großer", aber doch ein guter, trinkbarer Whisky, sehr weich, "gefällig" ohne Ecken und Kanten (was mich unterm Strich bei der Blindprobe wohl am meisten begeistert hat) und sicherlich besser als manches, das für den doppelten Preis verkauft wird. Ich kann mir vorstellen, daß dies nicht die letzte Flasche Ben Bracken war, die ich jemals gekauft habe.
Ende 2006 startete ein Nachfolge-Projekt mit 56 Teilnehmern.