Schon nach knapp zwei Wochen erreichte mich ein erster "Zwischenbericht" des Verkosters. Ich war positiv überrascht davon, wie sorgfältig er die Sache anging - schliesslich hatte ich mich auf einen Unbekannten eingelassen, der genauso gut alle 17 Flaschen der Reihe nach auf Ex trinken und zurückschreiben könnte: "Alles ganz brauchbar" oder so.
Es folgt der Zwischenbericht, wie ich ihn erhalten habe. Wer neugierig ist, kann den Mauszeiger über den Buchstaben ruhen lassen, um zu sehen, welcher Whisky sich dahinter verbirgt (sofern der Browser diese "Tooltips" unterstützt) - ansonsten halt die vollständige Liste nehmen oder erst noch abwarten!
(Bilder sind zur Illustration eingefügt und nicht Bestandteil dessen, was der Verkoster mir geschickt hat.)
erster Test:
| O |
Geruch: etwas scharf, spritig, beim längeren Riechen komplexer brennt ein wenig auf der Zunge, kein hochklassiger Whisky, Blend mittlerer Preisklasse? |
| M | Geruch: eher nach Billigblend. Nicht verkostet, s.u. |
Vorgehen: Geruchsprobe
Der Reihe nach, von dunkel nach hell
| D |
Torf/Rauch → Islay (Lagavulin?) Nicht probieren, aufheben für schlechte Zeiten |
| G | sehr angenehmer, fülliger Geruch (Sherry) |
| J | ebenfalls füllig, aber weniger als G |
| C | Rauch/Torf → Islay (Laphroaig?). Phenolton |
| O | beim erneuten Riechen gleiches Urteil, bislang der schlechteste |
| H | dezenter, feiner Geruch (Vanillin), könnte was gutes sein |
| M | beim erneuten Riechen bestätigt |
| A | riecht nach Bourbon, und nicht nach gutem |
| K | dezent rauchig, aber komplex; könnte was Gutes sein |
| E | Geruch eher nichtssagend, das muß aber nicht schlecht sein |
| N | auch wieder dezent rauchig und komplex, ähnlich K. Im direkten Vergleich ist K deutlich rauchiger |
| Q | Rauch und Torf → Insel, aber nicht so streng wie der bekannte Laphroaig |
| I | leicht stechend, etwas "billiger" Geruch |
| B | sehr ungewöhnlicher Geruch, auf den ersten Riecher "whiskyuntypisch" |
| L | etwas spritig, nicht besonders anregend |
| F | unspektakulär, aber nicht schlecht |
(Nachträgliche Anmerkung: Die Qualität leidet natürlich, je mehr Sauerstoff die Probe abkriegt. Es war beim zweiten Öffnen der Probeflasche schon zu bemerken, daß die Intensität abnimmt.)
Nächster Durchgang: Geschmacksprobe, etwas weniger als die Hälfte des Flascheninhalts. Reihenfolge nach Lust und Laune, basierend auf den Geruchseindrücken.
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H
sehr gut | War vom Riechen her sehr spannend. Im Glas starker Alkoholgeruch, aber sehr komplex. Fein, großartig, langer Abgang. Ich kenne diesen Whisky, habe ihn schon mal getrunken. Sehr charakteristischer LANGER Nachhall (über 5 min). Macallan? (Farbe würde auch passen) Köstlich, wärmt im Magen → Faßstärke? | |
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G
untere Mittelklasse | Geruchsvergleich G-H: ähnlich, H ist einen Tuck rauchiger. Brennt ein wenig, durchaus ähnlich zu H, aber deutlich weniger edel; könnte ein Blend sein, dessen Hauptbestandteil H ist. [Nachtrag: Kommt wahrscheinlich schlecht weg, weil unmittelbar nach H verkostet.] | |
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J
sehr gut, kann aber mit H nicht mithalten | Geruch ist angenehm, hat einen leicht säuerlichen Einschlag, erinnert an B, der das aber konzentrierter hat. Sehr weich, vollmundig, angenehm. Nach einer Weile kommen Vanillindüfte raus. Lowland Malt? Fast karamellig! Nicht so sicher mit Lowland, aber auch nach dem 2. Schluck sehr gut. Leicht "künstliche" Note (Plastik, Gummiente?). Kaum Nachhall, trotzdem sehr gefällig. Ganz, ganz dezenter Rauchduft, fast nicht wahrzunehmen | |
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B
sehr gut, besser als J, verliert gegen H | Eigenwilliger Geruch. Ganz leichtes Brennen auf der Zunge. Ebenfalls sehr weich. Malzig. Müßte direkt mit J verglichen werden. Hat guten Abgang, langen Nachhall. Könnte ein höherwertiger Malt sein. Sehr interessant. Leichte Fruchtnote beim Verdünnen im Duft und Geschmack. | |
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M
Mittelklasse, besser als G | war bei der 1. Geruchsprobe nicht gut weggekommen. Im Glas kommt Geruch etwas besser. Kommt mir bekannt vor, riecht wie "gewöhnlicher Barwhisky", Johnny Walker o.ä. Schmeckt aber besser. Malzig, recht fein, brennt aber stark auf der Zunge. Guter Blend oder schlechter Malt, Chivas Regal? Abgang und Nachgeschmack eher unangenehm, geht wohl doch eher in die Richtung Johnny Walker. | |
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I
gut, ähnlich J | Eindruck von 1. Geruchsprobe wird im Glas nicht bestätigt, riecht viel malziger, runder. Hat diesen B-Touch. Komplexe Aromen. Kommt sehr gut durch die Geschmacksprobe, sehr ähnlich zu J! Noch etwas weicher als dieser, mit Nachhall, sehr angenehm. Lowland? Brennt ein ganz klein wenig. Längerer Nachhall als J, über 5 Minuten. Läßt sich kaum aus dem Glas vertreiben! | |
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N
Mittelklasse ähnlich M, andere Geschmacksrichtung, aber ähnliche Qualität | Angenehmer Geruchseindruck wird im Glas bestätigt, aber weniger rauchig, fast nicht zu bemerken. 1. Geschmackseindruck ist nicht so überwältigend; leichter saurer Einschlag, könnte ein durchschnittlicher Highland-Malt sein. Nachhall erinnert ein wenig an Blends, nicht so das Decrescendo. Nach dem vielversprechenden Geruch ist der Geschmack eher eine Enttäuschung. Tippe dann doch eher auf Blend. | |
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K
gut-sehr gut guter Highland-Malt, kann aber H nicht das Wasser reichen | Sehr angenehmer Geruch, in der Tat ähnlich N, aber vernehmlich rauchig. Bleibt auch beim Geschmack. Malzig, rauchig, brennt kaum. Guter Highland-Malt, der evtl. in N als Komponente drin ist? Hervorragender Nachhall. (Eichenfässer?) | |
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D
sehr gut Lagavulin 16 H ist besser | Torf- und Rauchgeruch, aber dezent. Geschmack: Der erste Tip Lagavulin 16yr wird bestätigt. Lecker. Kein weiterer Kommentar erforderlich. | |
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P
gut, leidet unter dem vorher gekosteten Lagavulin, definitiv nicht besser | Riecht auch im Glas rauchig, torfig, meerig. Inselmaltgeruch. Sehr weich, dennoch leichtes Brennen auf der Zunge. Malzig, langer Nachhall, aber nicht umwerfend. Könnte trotzdem ein höherwertiger Malt sein, bin aber nicht sicher. Schlechte Tagesform? | |
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E
sehr gut, sehr interessant, aber ungewöhnlich. Unter H, der nach wie vor der Favorit bleibt. | Leicht süßliche Note beim erneuten Riechen. Im Glas unspektakulär, der Alkohol dominiert. Leichte Fruchtnote (Brombeer?). Je länger ich dran rieche, um so interessanter. Auch geschmacklich - Fruchtnoten, ein bonbonsaurer Abgang, hallt recht lange nach, süßlich, fruchtig, gefällig. Sehr gutes Tröpfchen, als "Hausmarke" aber zu whisky-untypisch. Auch mit Wasser verdünnt sehr lecker. Der Geschmack läßt sich mit Wasser fast nicht wegbringen :-) (sic). Nummer 2 hinter H bisher. | |
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F
untere Mittelklasse, bis jetzt der schwächste | Das große Glas ist auch hier ungünstig, es dominiert der Alkohol. Riecht ein wenig nach B. Geschmack: brennt, wenig komplex, eher unangenehm spritig. "Bar-Whisky", der besser riecht als er schmeckt. Tippe auf Blend, preislich recht weit unten. Vielleicht ist das aber nur die Crux wie beim Pärchen G-H, daß der tolle Eindruck vorher schadet? (Nachtrag: Glen Grant - wegen der Farbe?) | |
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Q
sehr, sehr rauchiger Geruch. Riecht ebenfalls nach Laphroaig, direkter Vergleich mit C weist auf große Ähnlichkeit hin. Schreit nach Simultanprobe. (Urteil nach erneutem Riechen an den Flaschen) | ||
| direkter Vergleich C und Q | ||
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C
Außer Konkurrenz Laphroaig |
ist eindeutig Laphroaig 10 yr. Hm. Der Geschmack paßt, obwohl ich
ihn nicht so weich in Erinnerung habe. Vielleicht war die Flasche
schon länger offen? Ja, typisch Laphroaig.
Perverser Inselmalt | hat im Glas einen unanständigen Geruch nach Pisse oder Jauche mit drin, zusätzlich zum Jod/Phenol-Laphroaigdunst. Schmeckt besser als er riecht. Müßte nochmals in der Tulpe verkostet werden, vielleicht wirds dann besser. Torf, Rauch, Inselmalt, aber preislich nicht weit vom Laphroaig entfernt. Den Geruch mag ich überhaupt nicht, geschmacklich gehts aber. |
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A
schlecht toppt F noch nach unten | Geruch im Glas: Das scheint der Härtetest zu sein. Ogottogott. Fusel, Sprit. Beim längeren stehen, riechen wird es etwas besser. Hm, nicht wirklich. Der Ton von B kommt ganz dezent durch die Spritwolke. Geschmacksprobe bestätigt das. Billiger Blend, an den ich die düstersten Erinnerungen habe - Johnny Walker Red Label? Es kostet Überwindung, das zu trinken. Der Absacker in der schlechten Hotelbar, wo es nix anderes gibt. Selbst da trinke ich ihn mit Schaudern. Brrrr. Eine Strafe. | |
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L
Mittelklasse Glenfiddich? | Nach A kanns nur besser werden. Der Geruch ist gar nicht schlecht, die B-Note ist aber auch zu vernehmen. Was ist das? Ist das einfach nur die Getreidespritnote? Geschmack: Nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Könnte fast Glenfiddich sein, dafür spricht auch die Farbe. Ja, das müßte Glenfiddich sein. | |
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O
untere Mittelklasse nichts besonderes | ist bei alledem etwas unter die Räder gekommen und nicht sorgfältig genug verkostet worden. 2. Chance: Nach den bisherigen Erfahrungen kommt er besser weg. Bleibt aber unspektakulär. Weich (der Sauerstoff?), Einstufung Mittelklasse bleibt. | |
Vorläufige Reihenfolge:
Spitzenklasse:
H (bester!),
dahinter E
und B,
dahinter J,
D und K.
I vielleicht noch.
Mittelklasse:
P,
L,
M,
N,
O
in dieser Reihenfolge.
G
paßt schon fast nicht mehr in diese Liga.
Schlecht:
F,
besonders schlecht:
A
Außer Konkurrenz:
C, Q
Wie geht es weiter?
Erneuter Probedurchlauf in Reihenfolge der ermittelten Qualität, von schlecht nach gut.
Rund zwei Wochen später erhielt ich die endgültige Wertung. Es gab noch geringfügige Änderungen an der Reihenfolge, aber im Großen und Ganzen blieb es bei der bisherigen Einschätzung.
Ein Whisky dieser Kategorie begeistert mich. Er offenbart eine immense Geschmacksvielfalt, jeder Schluck bringt neue Geschmacksnuancen, ein Feuerwerk der Sinne. Selbst Minuten nach dem Herunterschlucken befinden sich sämtliche Geschmacksknospen noch im Zustand höchster Erregung. Man möchte in einem solchen Whisky baden, es wäre ein schöner Tod, in einer damit gefüllten Badewanne zu ertrinken. In diese Kategorie gehören:
1. H
(der Sieger der Probe)
2. D, E (D = Lagavulin)
Duchaus gute Whiskies, die allerdings wenig Anspruch an die Geschmacksnerven stellen. Kategorie "Easy drinking".
6. I
7. P
8. L (L = evtl. Glenfiddich)
9. M
Anspruchslose Whiskies, bei denen bereits die Spritnote dominiert, die aber wenigstens die Geschmacksnerven nicht beleidigen. Man kann sie trinken, wenn man nichts anderes hat und - dazu eingeladen wird. Kaufen würde ich einen solchen Whisky nicht.
10. N, OEs ist eine Strafe, einen solchen Whisky zu trinken. Man möchte sie nicht mal geschenkt haben.
12. F
13. A
(der schlechteste dieser Probe)
Ende 2006 startete ein Nachfolge-Projekt mit 56 Teilnehmern.