Der Tag als der Regen kam
Die letzten Tage bin ich viel unterwegs gewesen. Ich schlafe jede Nacht in
einer anderen Stadt und arbeitete mich langsam süd- und westwärts voran.
Ich habe einen Termin für die Fähre zur Südinsel am 2. Januar und kann
deswegen nicht länger hier im Norden bleiben. Das ist aber eh ganz gut, weil
es hier schlechtes Wetter hat.
Ich fresse mich Kilometer um Kilometer durch das Land. Das mache ich eigentlich
ganz gerne. Die Landschaft ändert sich immer wieder, und man kann sich damit
beschäftigen, die Straßenschilder und aufgemalten Zeichen zu verstehen.
Andere Länder, andere Sitten. Hier ist die Mittelline manchmal weiß und
manchmal gelb. Es gibt eine weiße gestrichelte Linie, die mir wohl sagt,
daß ich überholen darf, eine weiße durchgezogene Linie, die selbiges
verbietet, eine gelbe durchgezogene Linie, die mir wohl sagt, daß es bei
Todesstrafe verboten ist, diese Linie zu kreuzen und eine gelbe doppelt
Linie, die bedeutet, daß sie mich teeren und federn werden, bevor sie mich
erschießen, wenn ich diese Linien kreuze. Und dann gibt es noch Kombinationen
von durchgezogenen und kurz oder lang gestrichelten Linien, weiß oder gelb
mit mehr oder weniger Abstand. Manchmal glaube ich, die machen das einfach
wie sie grade lustig sind, oder vielleicht hängt das auch davon ab, welche
Farbe grade zur Hand ist.
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| Rock carvings |
Nunja, wie auch immer, ich gondel so durch die Landschaft, war am Lake Taupo
in der Mitte der Nordinsel segeln. Der Skipper verdient sich seinen
Lebensunterhalt damit, daß er Touristen auf seiner kleinen Yacht durch
die Gegend schippert.
Besondere Attraktion dieser Segeltour ist ein Besuch der 'rock carvings'.
Ein paar lokale Künstler haben hier vor ein paar Jahren Figuren und Muster
in den Naturstein direkt am See gehauen. Die Figuren sind nach alten
Maori-Motiven gestaltet, aber eben nicht wirklich alt.
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| Touristendampfer |
Die folgende Nacht fängt es an zu regnen und zwar ordentlich. Am nächsten
Tag fahre ich weiter. Es regnet immernoch wie verrückt, aber bis auf ein
paar Bäume, die ab und zu mal die halbe Straße versperren, kommt man gut
voran. Die größte
Gefahr geht von den Neuseeländern auf der Straße aus, die dichten Regen und
Nebel nicht zum Anlaß nehmen, ihre Fahrweise zu ändern oder wenigstens die
Scheinwerfer einzuschalten.
Zwei, drei Stunden weiter fahre ich eine Straße in einem Flußtal entlang.
Der Fluß führt deutlich mehr Wasser als er das wohl normal tut, die braunen
Fluten haben schon einige Felder überschwemmt, und manchmal kommt das Wasser
schon recht nahe an die Straße heran. Dann kommt mir ein Kleinlaster mit ein
paar Arbeitern entgegen, die mir bedeuten, daß ich anhalten soll: Die Straße
vor mir ist überflutet, und ich muß mir einen anderen Weg suchen.
Das ist leichter gesagt als getan, weil es hier so viele Wege nun auch
wieder nicht
gibt. Aber zum Glück muß ich ja nicht unbedingt da hin, wo ich eigentlich
hin wollte, nämlich nach Taranaki an der Westküste. Den Vulkan dort kann man
eh nicht sehn, weil alles in einer tiefhängenden Wolkendecke verschwindet.
Also kehre ich um und fahre dann nach Süden. Die überflutete Straße hat mich
"nur" einen Umweg von 100km und zwei Stunden auf den engen, gewundenen
Straßen gekostet.
Statt in New Plymouth ende ich in Wanganui, einem kleinen Städchen
nicht weit von der Südwestküste der Nordinseln. Man sieht der Stadt an,
daß die Gegend
nicht so reich ist wie in Auckland oder der Bay of Plenty. Es gibt weniger
Läden mit Designerklamotten, dafür mehr Second-Hand-Läden und Pfandleiher.
Mehrere Läden verkaufen billigsten Krimskrams, ob sich das überhaupt
rechnet, ist unklar, aber die Mieten hier sind wohl recht niedrig, selbst an
der Hauptstraße. Um 16 Uhr fangen die Läden an zuzumachen, und eine Stunde
später ist hier nichts mehr los, wie in vielen anderen Städchen in
Neuseeland auch. Für
Reisende immer unangenehm ist, das auch die Restaurants zu machen. Manche
sind später nochmal zum Dinner auf, aber viele bleiben auch einfach
geschlossen.