Auf Wohnungssuche
Es war klar, daß ich nicht 2 1/2 Monate in Neuseeland in Hotels und
Jugendherbergen leben kann. Es ist zu teuer und natürlich auch etwas unpraktisch,
wenn man rumreist und jedesmal alles mitnehmen muß, weil man kein eigenes
Zimmer hat. Deswegen hatte ich mir schon vorher überlegt, daß ich ein
Zimmer oder irgendwas mieten will. Etwas unklar war allerdings, wie ich
das machen würde, da ich mich mit dem hiesigen Markt und seine
Gepflogenheiten natürliche nicht auskannte. Das ganze hat sich aber einfacher als
erwartet herausgestellt.
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| Blick von Devonport auf die Innenstadt |
Als erstet habe ich mir einen anständigen Stadtplan von Auckland und
allen seinen Stadtteilen besorgt, damit ich überhaupt entscheiden konnte,
was für mich in Frage kam. Ich wollte auf jeden Fall in relativer Nähe
der City wohnen, weil ich ja kein Auto habe und auf meine Füße oder
öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bin. Irgendwo weit draußen kann
man sich da leicht vom Rest der Welt abgeschnitten vorkommen.
Erste Anlaufadresse war dann die Tourist Information. Es gibt einige
Backpackers (wie die Jugenherbergen hier heißen, die meisten sind übrigens
unabhängig und nicht in dem weltweiten Verband organisiert), die auch
wöchentliche Tarife anbieten. Auch wenn man da einen eigenen Raum bekommen
kann, alles andere muß man natürlich mit den anderen wechselnden Gästen
teilen. Und dazu ist es immernoch recht teuer (150-200$/Woche). Keine
optimale Lösung, aber wenn sich nichts anderes ergibt, dann geht das
immer noch.
Zweite Idee war natürlich die Zeitung. Die Dame bei der Tourist
Info und auch andere, die ich gefragt hab, gaben mir den Tip, daß
die Mittwochs- und Samstagsausgaben des "New Zealand Herald"
(Größte Zeitung von Auckland, auch überregional verkauft)
da am besten geeignet sind. Also hab ich mir die besorgt und bin die
Anzeigen durchgegangen.
Was man aus manchen Anzeigen erraten kann oder sonst einfach wissen muß,
ist das man hier seine Miete wöchentlich bezahlt und berechnet. Man muß
also bei den Anzeigen immer grob "mal vier" rechnen, wenn man sie mit
deutschen Preisen vergleichen will. Preise sind meist ohne Nebenkosten
angegeben. Dazu gibt es natürlich jede Menge Abkürzungen, wie "ns" für
"non-smoking", die man erstmal erraten muß. Eine Weile hab ich
herumgerätselt, was wohl "wtd" bedeutet, bis ich kapiert hab, daß es einfach
"wanted" heißt.
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| Blick vom Mount Eden |
Das meiste kommt schonmal nicht in Frage, weil ich ja keine Wohnung kaufen
will, sondern eine mieten. Anders als in Deutschland, aber ähnlich, wie
in England, Amerika und Australien kaufen die Leute hier ihre Wohnungen
und Häuser meistens. Und da ich weder Möbel noch irgendwelche
Haushaltsgegenstände hab, mußte ich entweder etwas möbliertes finden, oder eine
Wohngemeinschaft oder etwas ähnliches. Erstmal hab ich mich um die
Anzeigen gekümmert, aus denen hervorging, wo die Wohnung ist und hab mir
die angestrichen, die nach Konsultation des Stadtplans für mich in Frage
kamen.
Möblierte Wohnungen sind selten und ich hab nur zwei oder drei Angebote
gefunden. Der einzige, den ich telefonisch erreichen konnte, wollte mich
nicht haben, weil ich zu kurz da bin.
Vielversprechender sahen die "flatmate wanted"-Anzeigen aus. Mein erster
Versuch stellte sich als eine Agentur heraus, die mehrere Wohnungen hat
und die Zimmer einzeln vermietet. Nach einigem herumtelefonieren fand sich
dann eine Monica, die mir die Wohnungen zeigen wollte. Wir verabredeten
uns vor dem Haus, das nicht weit von der City lag. Da ich zu dem Zeitpunkt
das Bussystem hier noch nicht begriffen hatte, bin ich einfach zu Fuß
hin und schließlich wollte ich ja auch in Zu-Fuß-Entfernung von der City
sein und mußte das ausprobieren. Es war auch wirklich nicht weit, aber
dafür ging es ganz schön den Berg rauf. Aber sportliche Betätigung tut
einem ja gut, der Anblick des Hauses dann schon weniger.
Ein ziemlich altes Holzhaus, die Farbe blättert ab, in einer
gemischten Wohn- und Industriegegend mit verfallenen Häusern,
scheußlichen Industriebauten, Garagen und Hinterhöfen. 30 Meter
von der Autobahn entfernt und wenn man hinten aus dem Haus schaut, dann
blickt man direkt in eine tiefe Baugrube, in der ein Bagger dabei ist, sie
noch tiefer zu machen. Das Haus ist angeblich "recently renovated", wohl
aber von einem sehr schlampigen Maler. Auf dem Fußboden liegen diese
geflochtenen Matten aus den charakteristischen konzentrischen Vierecken.
Im gemeinsamen Wohnzimmer stehen ein paar zerschlissene Sperrmüllsofas
vor einem Fernseher. Einziges Möbelstück in "meinem" Zimmer ist
eine Matratze, die so aussieht, als ob man sich nicht darauf legen
möchte. Das ganze für 115$ die Woche, das sind mehr als 60 EUR.
Das war mir gleich klar, das das nichts für mich ist. Monica hatte
noch ein zweites Objekt anzubieten, aber die Schlüssel nicht dabei
und so haben wir das auf den Nachmittag vertagt.
Zurück im Hotel hab ich dann weiter rumtelefoniert. Die meisten Leute waren
natürlich nicht zu Hause, weil es mitten am Tag war und ich hab nur ihre
Anrufbeantworter bekommen. Einer hatte eine Nummer bei der Arbeit abgedruckt,
die ich angerufen habe. Er hatte eine Wohnung und sein bisheriger Flatmate
war ausgezogen und er suchte einen neuen. Klang ganz nett und wir haben uns
für den frühen Abend verabredet.
Nachmittags bin ich dann nochmal den Berg hinauf geschlaucht zu dem zweiten
Objekt, von dem Monica ehrfurchtsvoll als von einer Villa mit Parkettboden
gesprochen hatte. Es war auch wirklich etwas besser und hatte auch einen
Parkettboden, aber eine Villa würde ich das kaum nennen. Aus Holz gebaut,
auch nur ein Stockwerk, wenn man die Garage unter dem Haus nicht zählt.
Eingezwängt zwischen ein paar scheußlichen Betonbauten links und rechts.
Mitten in einem Industriegebiet. Es sei tagsüber manchmal etwas laut,
nachts dafür aber sehr still, meinte Monica. Ob der Gestank von der
Autolackiererei nebenan denn nachts auch weg sei, hab ich sie besser nicht
gefragt.
Als ich ankam waren ein paar Leute damit beschäftigt große
Holzplatten in der Garage zu verstauen. Sie erzählten mir, daß
sie dabei sind hinten eine Art Anbau zu machen. Und Monica berichtete
dann stolz, daß sie dabei seien alles zu renovieren. Innen seien
sie schon fertig und demnächst würde auch der Driveway einen
neuen Betonbelag bekommen. Also wieder Leben auf einer Baustelle. Die
Wohnung hatte vier Zimmer. Monica hatte mich gewarnt, daß das Zimmer
klein sei, aber schließlich habe ich eh keine Möbel und muß
nur 2 Monate darin wohnen, da war mir das nicht so wichtig. Aber das
Zimmer war wirklich winzig. Mehr als eine Matratze hätte da eh
nicht reingepaßt. Andere Leute haben in sowas ihre Speisekammer. Und es
sollte auch noch ein bischen teurer sein, als das andere. Also war das
wieder nichts. Von meinen zukünftigen Mitbewohnern war auch keiner zuhause.
Direkt danach war ich mit mit Peter verabredet. Seine Wohnung ist in Parnell
und ich bin direkt dahin. Die Beschreibung am Telefon, wie man die Wohnung
erreicht, war etwas kompliziert gewesen, (In die Nebenstraße rein, dann
die erste Einfahrt links über den Parkplatz unter das Gebäude durch
die Tür...) aber ich habe es gefunden. Ein vielleicht 20 Jahre alter
ziemlich scheußlicher Apartment-Block direkt an der Haupstraße von Parnell.
Tja und dann hab ich mir die Wohnung angeschaut und mit Peter geschwatzt.
Wir haben uns gleich gut verstanden und saßen 5 Stunden später
immernoch rum und schwatzten über Gott und die Welt. Nachdem wir eine
Nacht drüber geschlafen haben, haben wir uns beide entschlossen,
daß ich einziehe.
Peter arbeitet in der Uni in "environmental studies". Einflüsse der
Menschen auf die Umwelt und sowas. Ist so eine Mischung aus Geographie,
Biologie und anderem. Er ist 36, fährt ein uraltes BMW-Motorrad und
hat jahrelang in einer recht erfolgreichen Band gespielt hier. Leider ist
er ein ziemlich starker Raucher, aber das macht eigentlich nichts, weil wir
bei ständig offenen Fenstern und Balkontüren leben. Und Kochen kann er
gut, was sehr praktisch ist.
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| Ausblick von unserem Balkon |
Die Wohnung ist im dritten und letzten Stock dieses Apartmenthauses. Der
Ausblick ist etwas langweilig auf zwei Kirchen gegenüber. Eine aus Stein,
eine aus Holz, beide sehen etwas amputiert aus, weil sie keine Türme
haben. Dafür scheint die Morgensonne durch die großen Fenster ins
Wohnzimmer bzw. in die beiden Schlafzimmer. Balkon gibts auch. Halbabgeteilte
Küche im Wohnzimmer. Ein Bad. Mein Zimmer war bis auf einen Einbauschrank
leer, aber sonst ist alles möbliert und alles, was man so braucht incl.
Waschmaschine und so vorhanden. Das ist natürlich sehr praktisch für
mich, weil ich so nichts kaufen muß. Eine Matratze hat sich auch gefunden.
(Peter hat im Lift einen Aushang gemacht und eine Mitbewohnerin hat eine
übrig gehabt und mir geliehen.) So hab ich mir nur noch etwas Bettwäsche
gekauft und war voll eingerichtet, auch wenn die Matratzen auf dem Boden
liegt und meine wenigen Habseligkeiten meist drumrum verstreut.
Das war also recht einfach mit der Wohnung finden und ich habe eigentlich
nicht mehr als einen Tag mit ernsthafter Suche zugebracht. Es wären noch
ein paar wenige andere Optionen offen gewesen, aber ich hatte bei allen
nur einen Anrufbeantworter erreicht und hatte dann keine Lust mehr nach
etwas noch besserem zu suchen. Zwar zahle ich hier 75 EUR pro Woche. Das
klingt nicht sehr billig, aber Mietwohnungen sind hier teuer, wie wir schon
gesehn haben. Und diese ist sehr günstig in Parnell gelegen. Das ist ein
Schicky-Micky-Stadtteil ziemlich nah an der City und direkt an der Domain
(dem Park, von dem schon die Rede war).
Parnell liegt am Hang. Unsere Wohnung ist oben auf dem Berg und nach Norden
führt die Hauptstraße recht steil den Berg runter Richtung Hafen. An der
Hauptstraße gibt es viele teure Boutiken und Möbelläden und sowas.
Dazu jede Menge Cafes und Restaurants. An einem Teil haben sie die alten
Häuser in zweiter Reihe hinter denen an der Straße mit einbezogen und es
gibt gepflasterte Wege und hölzerne "walkways" von einem Haus zum anderen.
Soll wohl malerisch sein, ist aber etwas künstlich für meinen Geschmack.
Die japanischen Touristen lieben es aber. Parnell ist also sehr touristisch
und hat hier in Auckland den Ruf, der Stadtteil für die mittelalterlichen
Junggesellen mit Porsche zu sein.
Es ist aber auch angenehm hier zu leben: Direkt an der Ecke ist eine
italienische Bäckerei (sehr praktisch, weil das neuseeländische Pappbrot
kann man ja nicht essen). Zwei Läden weiter ist ein kleiner
Gemischtwarenladen der abends lange und auch an Sonntagen offen hat.
Mit dem Bus ist man in 10 Minuten in der City. In der anderen Richtung
zu Fuß in 10 Minuten in Newmarket, einem anderen Stadtteil mit jeder
Menge Läden und dergl. und diversen Kinos. Für größere Einkäufe geht
man da hin.
Keine 10 Minuten ist es in die Domain, wo man sehr gut spazieren gehen kann.
Oder man geht durch den Park in die City, vielleicht eine halbe Stunde
zu Fuß, je nachdem, wo man hinwill. Weit ist das alles nicht, aber weil
es so hügelig ist, ist man manchmal schon eine Weile unterwegs.