Rezension "SpamAssassin"
Alistair McDonald 272 Seiten 39,95 EUR Übersetzung aus dem Englischen. Nach dem Buch aus dem O'Reilly-Verlag liegt mit der Übersetzung des Buches von Alistair McDonald ein zweites deutschsprachiges Buch über das beliebte Antispam-Programm SpamAssassin vor. Das erste Viertel des Buches nutzt McDonald zu einer allgemeinen Einführung in das Thema Spam, die zwar nicht sehr ausführlich ist, aber die meisten wichtigen Aspekte nennt und eine gute Grundlage für die Arbeit mit SpamAssassin bietet. Auf den restlichen Seiten wird dann die Installation, Integration und Konfiguration von SpamAssassin mit vielen Details erklärt. McDonald geht dabei wo nötig auf verschiedene Linux-Distributionen ein, erklärt aber auch die Installation vom Source. Die verschiedenen Konfigurationsdateien und ihre Inhalte werden ausführlich erklärt. Der Leser erfährt wie er eigene Muster zur Spamerkennung einbauen kann und wie er bestehende Regeln erweitern, testen und ihre Wertungen ändern kann, um SpamAssassin auf die eigenen Bedürfnisse einzurichten. Neben der Filterung aufgrund manuell definierter Muster bietet SpamAssassin Netzwerktests wie die Abfrage von DNSBLs und Prüfsummendatenbanken an, deren Funktion erklärt und verglichen wird. Erklärt wird auch der lernfähige statistische Bayes-Filter. Die Nutzung einer zentralen Datenbank für das Training wird dem Einzel-Training durch jeden Anwender gegenübergestellt. Die Speicherung der Bayes-Datenbanken, Konfigurationen und Whitelists in einer SQL-Datenbank, die insbesondere dann sinnvoll ist, wenn die einzelnen Anwender keine Accounts auf dem Mailsystem-Rechner haben, wird ausführlich besprochen. In einem eigenen Kapitel geht der Autor darauf ein, wie der Mail-Durchsatz des oft als Ressourcenverschwender gescholtenen SpamAssassin gemessen und gesteigert werden kann. Dazu gibt es immer wieder hilfreiche Informationen über das Drumherum, wie zu Backups oder zur Einrichtung verschiedener E-Mail-Clients, damit sie die Markierungen von SpamAssassin auswerten. Selbst zur Auswertung von Logfiles und darauf basierenden Statistiken bietet das Buch Vorschläge. Etwas ausführlicher und klarer hätte man sich die Beschreibung zur Integration von SpamAssassin in verschiedene MTAs wie Sendmail und Postfix gewünscht. Oft bleibt unklar, welche Alternativen es gibt und warum eine bestimmte Art der Integration gewählt wurde. Bei der Exim-Konfiguration fehlt die Integration über den Exiscan-Patch (der inzwischen in den Standard-Exim integriert wurde), der wesentliche Vorteile gegenüber dem älteren Ansatz hat. Ein paar Grafiken, die zeigen, welche Programme sich gegenseitig wie aufrufen, hätten der Übersicht nicht geschadet. Auch geht McDonald zu schnell über die Frage hinweg, ob erkannte Spammails abgelehnt oder markiert ausgeliefert werden sollen. Er lehnt erstere Reaktion grundsätzlich ab, weil er sie mit der Erzeugung von Bounces (Fehlermails) gleichsetzt. Das ist aber nur dann der Fall, wenn man den von ihm präferierten Ansatz der Integration des SpamAssassin über eine Procmail-Regel nimmt. Bei einer direkten Integration des SpamAssassin in den MTA wäre auch eine Ablehnung noch im SMTP-Dialog möglich, die in der Regel nicht zu Bounces führt. Für diejenigen, die SpamAssassin nicht in ein bestehendes System integrieren wollen, sondern einen gesonderten Antispam-Filter-Rechner aufbauen wollen, gibt es ein Kapitel zum Aufbau eines Antispam-Gateways. Es erklärt im Schnelldurchlauf von der Auswahl der Hardware über eine Linux- und Postfix-Installation bis zu Tipps für die Umstellungszeit alles, was man dazu braucht. Abgerundet wird das Werk durch ein Glossar und einen Index, die beide ruhig noch ein bischen umfangreicher hätten sein können. Auch die Sprache hätte noch etwas mehr Aufmerksamkeit verdient: Der Text wirkt oft holprig, die Sprache manchmal zu umständlich. Möglicherweise ist das auf eine Übersetzung zurückzuführen, die sich zu sehr an den einzelnen Sätzen statt am großen Zusammenhang orientiert hat. Insgesamt bietet das Buch einen inhaltlich guten und sehr tiefgehenden Blick auf alles, was mit SpamAssassin zusammenhängt. Die Erklärungen sind praxisnah und gehen auf die verschiedenen Situationen beim Einsatz verschiedener Betriebssysteme, Distributionen und MTAs ein. Dadurch wird vorallem dem weniger erfahrenen Systemadministrator die Hilfe an die Hand gegeben, die er benötigt. | ||||
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