Meta-Intermezzo Podcasting: Eine Definition
Folge 001
Podcasting ist so ein bisschen, wie ein Spaziergang Wochentags am frühen Abend. Ich weis nicht, ob Du das Gefühl kennst? Das ist so, wie wenn man durch die Stadt geht und viele Leute geschäftig in den Straßen aktiv sind. Manche sind mit dem Fahrrad da und fahren von Hauseingang zu Hauseingang. Hier und dort ein Kleintransporter mit polnischem Nummernschild. Ungepflegt wirkende, ältere Männer mit braun-grün-grauen Arbeitsklamotten laden, fast schon im industriellen Maßstab, größere und kleinere Metallteile ein. Passanten - meist auf dem Weg von der Büroarbeit - gehen in den Schlendergang über, wenn sie etwas Interessantes erspähen. Andere, bewaffnet mit Werkzeugen, suchen zielgerichtet nach einem seltenen Ersatzteil. Wenn man das schon ein paar Mal mitgemacht hat und man seine Stadt kennt, dann weis man auch, in welchen Straßen, bei welchen Häusern für gewöhnlich noch ganz gut brauchbare Dinge weggeworfen werden. Das ist unser ganz spezielles Oktoberfest.
Diese Geschäftigkeit wirkt ansteckend und weckt Hoffnungen, dass sich hier und da Gelegenheiten bieten, die man natürlich nicht verpassen möchte. Selber machst Du dabei offiziell natürlich nicht mit. Du bist sowieso unterwegs. Dein Blick schweift mehr wie zufällig über die Berge aus altem Hausrad, defekten Fahrrad- und Computerteilen. Immer bemüht, dabei nicht ertappt zu werden. Neugierde regt sich. Du scannst fachmännisch ab, ob man vielleicht doch noch was davon gebrauchen könnte und überlegst auch gleich vor Ort, wozu. Die zerborstenen Holzreste eines IKEA-Regals künden von der Kurzlebigkeit der Industrieproduktion. Ein schönes, fast neues, rotes Kissen in Herzform von der Kurzlebigkeit einer romantischen Beziehung.
Wer nur, zur Hölle, wirft diese volle Kiste mit alten Computerzeitschriften weg? Da sind ganze Jahrgänge mit wundervollen Erinnerungen dabei. Ich blättere in einigen, beginne damit, interessante Artikel auszureißen. Eine ältere Frau steht neben mir und trennt aus alter Kleidung Verschlüsse und Knöpfe heraus. Nach einer halben Stunde im Dunst von Moder gebe ich auf und lasse das Papier zurück.
Dort ein Streit darum, wer einen vermeintlichen Wertgegenstand zuerst erblickte und damit einen Anspruch darauf geltend machen kann. Es gewinnt der Stärkere. Wie sonst auch. Eine halbe Stunde später liegt der Grund des Zankes oben, auf einem anderen Haufen. Es gab offenbar doch einen Grund, wieso das Ding überhaupt erst hier gelandet ist.
Es ist Sperrmüll in Deiner Stadt. Natürlich bist Du froh, Deinen eigene Krempel schon auf die Strasse geschafft zu haben. Endlich wieder Platz im Keller. Bei manchem Unrat, standen schon Leute vor Deiner Tür und haben Dir das Zeug förmlich aus der Hand genommen. Ein kleiner Junge fragt mich, ob man die Computer-Teile in der Kiste, von der ich mich nur schweren Herzens trennen konnte, noch gebrauchen kann. Anderes wie mein ausgesessenes Sofa will niemand haben. Dabei war es sehr anstrengend, genau das aus dem Keller zu wuchten.
Die Dämmerung bricht ein. Es legt sich eine seltsame Stimmung über die Szene. Vereinzelnd sind noch Leute unterwegs. Nachtaktive befreien noch fleißig ihre Keller von sperrigen Gegenständen. Manche sind dabei so euphorisiert, dass ich mich frage, ob das Zeug nicht in Wirklichkeit aus der Wohnung stammt und schon immer irgendwie nur genervt hat. Die Polenlaster sind weg, die Geschäftigkeit verschwunden.
Alles kostenlos, manchmal mit einem hohen Unterhaltungswert. Viel Müll, aber zwischendrin auch brauchbares. Alle sind gleich und wenn Du willst, kannst Du das jeden Abend haben.
(20) · 19.09. 2006 21:31
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