Zehn gute Gründe, wieso niemand Deinen Podcast hört


  1. Du bist keine junge Frau mit einer betörenden Stimme. Du magst naiv sein, aber damit fütterst Du nicht den Projektor im Kopfkino, sondern es wirkt schlicht strohdoof. Hast Du Dir eigentlich mal selber zugehört? Würdest Du mit dem Typen gerne mal irgendwo ein Bier trinken gehen? Du erweckst bei keinem Deiner Hörer den Wunsch, sich mit Dir mal in der Öffentlichkeit sehen zu lassen.


  2. Du produzierst Dich nicht. Du kannst nicht glaubwürdig rüberbringen, daß Du Potential hast, welches nur noch nicht freigelegt wurde. Du sprichst keine Charaktere, schlüpfst in deren Rolle oder spielst Dein komödiantisches Talent aus. Du bist nicht der ungeschliffene Diamant, du bist ein Kieselstein.


  3. Du verzichtest auf Jingles, Einspieler, Filmschnipsel und andere akustische Wiedererkennungsmerkmale. Teils wirst Du eingeschüchtert durch Verwertungsgesellschaften oder es fehlt Dir ein passendes Archiv. Du findest sicherlich noch viel mehr Ausreden, um nicht noch etwas Arbeit in Form und Auftreten Deiner Sendung investieren zu müssen. Deine Sendung ist kein kleines Kunstwerk, sondern was rauskommt, wenn Du nur ein wenig drückst und Dich nicht allzusehr anstrengst.


  4. Du bekommst keinen Fuß in die Tür, weil die alteingesessenen Podcaster es ablehnen, Crosspromo für Dich zu machen. Sie fürchten Deine Konkurrenz und halten daher gegen Dich zusammen wie Pech und Schwefel. Manchmal treffen sie sich, gehen sogar zusammen in exklusive Lounges und lachen über Dich.


  5. Deine Thesen mögen Aufsehen erregen. Wie Du, sind sie anders. Aber Deine Argumentation ist löchrig. Auf belegende Beispiele verzichtest Du ganz, weil sowieso jeder weiß, was Du gemeint hast. Du hast Erfolg, aber nur bei Freunden und Verwandten, die Dich kennen und Dir sowieso aufgeschlossen gegenüber stehen und dich mögen.


  6. Schon mal was von Struktur gehört? Dein Sendeablauf ist weitgehend zufällig. Selbst wenn bei einer tollen Party nur die angesagtesten Typen rumlaufen, die Musik groovy ist und die Getränke stimmen - ohne Choreografie des Gastgebers erinnert Deine Sendung nur an den steifen Charme einer verlassenen Bahnhofshalle am Samstag morgen um halb sechs.


  7. Deine Themen verpackst Du nicht in kleine, eingängige Geschichten oder witzige Interviews. Du präsentierst Dein Anliegen nicht, sondern bringst sie nur vor. Niemand hört Dir gerne zu, selbst wenn Du mal was vorbringst, was interessant sein könnte.


  8. Als Podcaster der ersten Stunde bist Du den Anderen natürlich meilenweit überlegen. Du brauchst nichts mehr dazu zu lernen von dem jungen Gemüse, was nachgekommen ist. Deine Meinung hat besonders viel Gewicht, weil Du schon so lange dabei bist. Inzwischen gehen Dir aber die Themen aus. Du hast Deine Meinung zu allem gesagt, was Du kennst. Einmal in Fahrt, gibst Du jetzt nur noch Kommentare ab, wenn Du eigentlich keine Ahnung hast.


  9. Dein Humor ist trocken. Du bist nicht lustig. Wer Deine Gags verstehen soll, muß ganz genau hinhören, aufpassen und ein wenig von Deinem Hintergrund kennen. Lob erhältst Du von Leuten, denen Du vor den Kopf geschlagen hast. Da Du das so ironisch rübergebracht hast, hat es niemand gemerkt.


  10. Du bist nicht ehrlich, am wenigsten zu Dir selbst. Wieso hast Du mit dem Podcasten angefangen? Welche Ziele verfolgst Du? Kein Ziel zu haben, wirkt sich darauf aus, keinen Plan zu haben. Es gibt so viele Leute, die sich selbst für einen Superstar halten - du würdest gerne die Prominenz, das Einkommen und die Macht mitnehmen, aber bist nicht bereit Deine Privatsphäre oder Deine bequeme 40 Stundenwoche aufzugeben. Verantwortung, die daran hängt, scheust Du auch.


  11. jetzt mit Rechtschreibplugin von Jens/Ohrenblicke


(20) · 24.08. 2006 10:35

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